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Träume, Traumdeutung und der Gott Asklepios

Wir wissen dank mündlicher und schriftlicher Überlieferungen, wie weit der Mensch schon in die Welt der Träume, d.h. in der Entschlüsselung der Traumbilder und des allgemeinen Sinns vorgedrungen ist. Die Indianer sprachen zum Beispiel vom Empfang heiliger Weisheit, von der Kommunikation mit den Ahnen, prophetischen Träumen und Lebensweisungen, die in Träumen zu ihnen kamen. Es war dabei Praxis, sich über seine Träume auszutauschen und sie gemeinsam zu besprechen. Die alten Griechen übernahmen viele Praktiken der Ägypter. Robert Moss schrieb in seinem Buch „the SECRET HISTORY of DREAMING“:

 

„The Egyptians also developed an advanced practice of conscious dream travel. Trained dreamers operated as seers, remote viewers, and telepaths, advising on affairs of state and military strategy and providing a mental communications network between far-flung temples and administrative centers.”

Er sagte auch: "The ancient Egyptians understood that in dreams, our eyes are opened. Their word for dream, rswt, also means “awakening.” It was written with a symbol representing an open eye." “In Hellenistic times – the age of Cleopatra – dream schools flourished in the temples of Serapis, a syncretic god who melds the qualities of the gods Hades, Osiris, and Apis, the divine bull.”


Träume wurden so Teil der Medizin. Der Arzt Hippokrates von Kos (460 – 370 v. Chr.) notierte sich die Träume seiner Patienten, um daraus ihren Gesundheitszustand abzulesen. Die Griechen verbanden auch die Heilkunst der Ärzte mit dem Heilkult des Gott Asklepios, bei dem das Träumen eine zentrale Rolle spielte. Denn der Gott erschien den Kranken im Traum. So schreibt Antje Krug in ihrem Buch „Heilkunst und Heilkult“:

 

“Asklepios aber konnte helfen, auch gegen alle Vernunft. Diese wechselseitige Bedingtheit von Heilkunst und Heilkult, die gemeinsam aber Scharlatanerie und Magie verurteilten, führte zu einer respektvollen Duldung, ja sogar gegenseitigen Förderung. Die Blütezeit des Asklepioskultes entsprachen zugleich den Höhepunkten in der Medizin und nicht etwas deren Tiefpunkte, wie L. Edelstein bemerkt hat. Je differenzierter ihr Wissen und ihre Technik wurden, umso mehr waren die Ärzte auf die Mithilfe des Gottes angewiesen, denn auch die irrationale Seite des Leidens verlangte nach Hilfe.“

 


Warum wurde aber der Gott Asklepios erst relativ spät, ca. vom 6. / 5. Jahrhundert vor Christus an, in die Heerschar der bereits bestehenden Götter aufgenommen?

 

“In der Klassik tritt stärker denn je das Individuum hervor. Keiner der langsam verblassenden alten Götter hat sich mit solcher Ausschließlichkeit der Einzelperson, ihren Sorgen und Empfindungen gewidmet wie Asklepios. Über die Enge einer bloßen Zweckgottheit hinaus war er derjenige, der den wachsenden Bedürfnissen des Individuums entgegenkam.“

 

Mit dem Erscheinen dieses neuen Gottes entstanden Heilstätten im ganzen antiken Griechenland. Epidauros, nahe der Stadt Nafplio am Argolischen Golf auf den Peleponnes gelegen, wurde im Laufe der Zeit zum Zentrum der Heilstätten des Asklepios (und seiner Familie). Heute ist es leider nur noch für sein Amphitheater mit seiner unglaublichen Akustik bekannt, aber zur damaligen Zeit bestand das Heiligtum aus einer Vielzahl von Gebäuden. Erschöpft nach einer langen Reise wurden die Patienten gegen Abend von Priestern zu ihren Schlafstätten geführt, auch Schlaftempel genannt oder Abaton bzw. Enkoimeterion. Antje Krug berichtet weiter:

 

“Über das, was folgte, ist uns ein Bericht bei Aristophanes erhalten, der die Vorgänge im Asklepieon von Aigina – allerdings aus der Sicht eines gefräßigen Sklaven – schildert (Ploutos 663 ff.): Die Priester löschten die Lichter, ermahnten die Patienten zur Ruhe und ließen sie dann allein. Erschöpft von der langen Reise, den Kopf voll von Bildern und Erzählungen, die sie im heiligen Bezirk aufgenommen hatten, und aufgeregt vor Erwartung fielen sie irgendwann in Schlaf und träumten. Nur so, im Schlaf, geschahen in Epidauros die Heilungen: Der Gott kam in Person, schön und milde von Angesicht, begleitet von seinen Heilgehilfen und Tieren. Er ging von Lager zu Lager und fragte nach dem Leiden. Dann heilte er, durch Berührung mit der Hand, durch eine Operation, Medikamente oder Anweisungen, die er dem Kranken gab und die er tags darauf auszuführen hatte.“

Weshalb sich Asklepios auf den Darstellungen und Abbildungen auf einem Stab stützt, auf dem sich eine Schlange emporwindet und weshalb auch seine Tochter Hygeia (von ihr leitet sich das Wort Hygiene ab) eine Schlange um den Hals trägt, darüber kann man nur spekulieren – oder sich mit dem Gleichnisbild der Schlange vertraut machen. Mehr dazu in meinem Buch "Von der Heilkraft der Träume".



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