IoPT & Was steckt hinter Wutausbrüchen und Ängsten bei Kindern?

Aktualisiert: Feb 18

Kinder haben unglaublich sensible Antennen für die Gefühle ihrer Eltern. Sie reagieren mit Wut, mit Angst, mit Lethargie, mit Schüchternheit, mit Zappeligkeit. Sie können schreien, das Essen verweigern, Bettnässen und noch so vieles mehr. Kinder versuchen verzweifelt damit ihren Eltern mitzuteilen: "Hier ist etwas nicht in Ordnung. Bitte sehe bei dir hin, sodass ich nicht mehr deine Ängste, deine Wut, dein Alleinsein, deine Trauer, deinen Schmerz tragen und ausagieren muss. Sehe hin und erkenne: Ich bin eine Spiegelbild deiner selbst."


Die Lebensgeschichte der Eltern


Jeder von uns hat Dinge in seinem Leben erlebt, die einen überfordern, die wir nicht verstehen, die wir nicht einordnen können. Wir haben Erfahrungen gemacht von alleine gelassen werden, nicht gesehen, nicht wertgeschätzt werden, nicht geliebt, von nicht gewollt sein oder nicht so gewollt sein wie wir sind. Wir haben Verletzungen und Übergriffe erlebt, leider oft bereits bei der Geburt, und leider zu oft auch gewaltvolle Erfahrungen.


Je jünger wir waren, als wir diese Erfahrungen machten, desto überwältigender die Gefühle und desto unmöglicher, sich von ihnen abzugrenzen. Am eindrücklichsten wirkt sich die Zeit im Mutterbauch aus, denn gerade zu Beginn unserer Entwicklung sind wir am verwundbarsten. Wir versuchen zwar, Mechanismen zu finden, Strategien, aber zu oft entfernen wir uns, je älter wir werden, immer weiter von unseren Gefühlen. Gefühlen von Angst, Wut, Scham, Trauer, Schmerz und wir ersetzen sie durch Rationalität, Betriebsamkeit, Kontrolle, eisernen Willen, Abspaltung von Gefühlen, uvm.


Die Emotionen der Kinder


Wenn Eltern dann selber Kinder bekommen wiederholt sich der Kreislauf. Wir, als Eltern, werden wieder mit unserer eigenen Kindheit konfrontiert – und zwar von der ersten Minute an.


Kinder sind, so wie sie sind, genau richtig. Sie fühlen sich ganz, bei sich, sie lieben sich. Fühlt sich das Kind nicht wohl, dann versucht es dies zu kommunizieren – und zwar bereits im Mutterbauch. Wenn es auf die Welt kommt kommen die sichtbaren Körpersignale wie Weinen, Schreien, Berührung, Lächeln hinzu. Mit ihrer non-verbalen Sprache versuchen die Kinder, den Erwachsenen zu zeigen wie es ihnen geht. Funktioniert das nicht, werden die Zeichen immer intensiver: Dies kann mit ständigem Zappeln anfangen, Aufmerksamkeitsproblemen, extremer Schüchternheit, aber auch Ängsten, Schlafproblemen bis hin sogar zu Aggressionen und Gewalt.



Selbstbegegnung mittels IoPT


Jede Auffälligkeit von Kindern hat ihre Ursachen. Die Ursachen können vielfältig sein, aber es ist gewiss, dass immer eine psychische Komponente dabei ist. Denn Körper und Psyche bedingen sich gegenseitig und können daher nie getrennt voneinander betrachtet werden.


Mittels der Identitätsorientierten Psychotrauma Theorie (IoPT) nach Professor Dr. Franz Ruppert und der Anliegenmethode ist eine tiefe Selbstbegegnung möglich – für die Eltern wie auch für die Kinder – von der Zeit der Zeugung, über die Schwangerschaft, zur Geburt und bis zum heutigen Zeitpunkt. Durch das Wiederhervorheben unbewusster Erinnerungen und Emotionen werden die Ursachen endlich sichtbar und den Eltern wird klar:


„Nur wenn ich für mich selbst emotional erreichbar bin, mich selber fühle, kann ich auch für mein Kind emotional erreichbar sein. Nur, wenn ich den Mut habe, mir meine eigene Kindheit anzusehen, kann ich mein Kind entlasten.“

Im Interview mit Beate Thiessen


In diesem Interview mit meiner Kollegin, Beate Thiessen https://www.beateclaussen.de/ aus Schleswig-Holstein, sprechen wir anhand von zwei Beispielen darüber, was hinter Wutausbrüchen und Ängsten stecken kann:

  • Einen 4-jährigen Jungen, der enorme Wutausbrüche hatte und

  • ein 9-jähriges Mädchen, dass von Ängsten geplagt ist.


Eltern helfen ihren Kindern am meisten


...wenn diese einfachen Lebensweisheiten angenommen werden können:

  • Mein Kind ist so, wie es ist, absolut richtig

  • Mein Kind signalisiert mir, was es braucht. Ich, als Erwachsener, muss lernen, die Sprache des Kindes zu verstehen

  • Mein Kind wird beide Eltern, Mutter und Vater, wiederspiegeln. Daher ist es wichtig, dass ich verstehe: Wie ging es mir als ich klein war? Gibt es Themen in mir, die ich noch nicht verarbeitet habe, die ich mir nicht ansehen und fühlen will? Wenn ja, dann arbeite ich an mir.

  • Es ist in meiner Verantwortung, meinem Kind die Sicherheit und Liebe zu geben, die es braucht. Es ist nicht die Aufgabe des Kindes, mir Sicherheit und Liebe zu geben.


Wenn Eltern anfangen, auf sich selbst zu sehen, sind unglaubliche Veränderungen möglich. Es ist berührend zu erleben, wie Kinder sich verändern und wie schnell die Veränderungen eintreten. Eine Hoffnung, auf Heilung des inneren Kindes – im Kind und in den Eltern.

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